Der Ethik-Monitor der Stiftung Wertevolle Zukunft ist eine sozialwissenschaftliche Werte-Studie, die in Zusammenarbeit mit der Universität Bamberg entwickelt und von dem Institut TNS Emnid alle zwei Jahre durchgeführt wird.
Ausgehend von jeweils zirka eintausend repräsentativ ausgewählten, persönlichen Interviews macht der Ethikmonitor Aussagen über Werte und Einstellung der Bevölkerung und widmet sich den Haltungen der Menschen zu politischen und wirtschaftlichen Institutionen und deren Repräsentanten, zu Gerechtigkeitsfragen sowie zur Akzeptanz des politischen und wirtschaftlichen Systems im Allgemeinen.
In der aktuellen Befragung im Erhebungszeitraum von Ende April bis Ende Mai 2006 wurden 1003 Personen befragt. Auf Grundlage dieser empirischen Daten und Analyseergebnisse initiiert die Stiftung themenspezifische Veranstaltungen und weitere Veröffentlichungen mit denen sie die wissenschaftliche und öffentliche Wertedebatte kontinuierlich mitgestalten möchte. Erste deskriptive Ergebnisse und Pressemeldungen der Studie Ethik-Monitor stehen Interessierten zum Download bereit.
Wertekluft zwischen Politik und Bürgern
Nach der für sie wichtigsten Tugend befragt, nannten mehr als die Hälfte der Bürger den Wert Ehrlichkeit an erster Stelle. Zugleich bezweifeln die Befragten die Relevanz des Wertes Ehrlichkeit für Politiker massiv. Gerade einmal 29 Prozent von ihnen stufen den Wert an erster Stelle einer Werte-Skala ein. Laut Einschätzung der Befragten zählen für Politiker eher Werte wie Pflichtbewusstsein (52%) und Anstand (50%). Solidarische Werte wie Fairness (32%) und Mitgefühl (29%) schreibt man Politikern offenbar selten zu.
Fehlendes Vertrauen in politische
Institutionen und große Wirtschaftsunternehmen
Lediglich elf Prozent der Befragten äußerten Vertrauen gegenüber den großen Wirtschaftsunternehmen. Der Bundesregierung und dem Bundestag wird mit rund 14 Prozent nur geringfügig mehr Vertrauen entgegengebracht.
Prof. Dr. Joachim Behnke von der LMU München, Leiter des Forscherteams, das die Studie auswertet, konstatiert eine „tiefe Vertrauenskrise der Bürger in die politischen Institutionen und Gruppen“. Rund 50 Prozent der Befragten schenken der Bundesregierung sowie dem Bundestag „kein bis überhaupt kein Vertrauen“. Das ist in etwa die gleiche Prozentzahl wie bei „Fremden, denen man das erste Mal begegnet“ und bei „großen Wirtschaftsunternehmen“.
Das Vertrauen in den
Mittelstand ist deutlich höher als das in die großen Wirtschaftsunternehmen
Gerechtigkeit des Wirtschaftssystems
wird in Frage gestellt
Lediglich 13 Prozent der Befragten halten das Wirtschaftssystem für gerecht. Während in den neuen Bundesländern 60% der Ansicht sind, das Wirtschaftssystem sei ungerecht, sind es in den alten Bundesländern 40%. Im Osten wie im Westen ist für die Bewertung der Gerechtigkeit das Vertrauen in die Wirtschaftsführer am wichtigsten. 79 Prozent der Ost- und 60 Prozent der Westdeutschen, die der Ansicht sind, dass Wirtschaftsführer keine vertrauenswürdigen und ehrlichen Menschen sind, halten das Wirtschaftssystem für ungerecht.